Werner Beinhart Review: Mr. Moped über TÜV-Willkür, Wurstblinker & Horex-Kult | Realitätscheck eines Sachverständigen

Wir schließen die Film-Reihe mit einem Knall. „Werner – Beinhart!“ ist für die deutsche Schrauber-Szene mehr als nur ein Zeichentrickfilm. Es ist ein Trauma-Bewältigungs-Seminar für jeden, der schon mal beim TÜV vom Hof gejagt wurde. Ich habe diese Kritik heute Mal genutzt, um meine Kompetenz in Sachen Sonderabnahmen und TÜV-Eintragungen zu unterstreichen. Denn genau da unterscheidet sich die Moped-Garage von Werner: Bei uns wird der Wahnsinn legalisiert!!

Film-Review: „Werner – Beinhart!“ (1990) – Das Trauma mit dem TÜV und warum der Wurstblinker eigentlich genial ist

Teaser: Mr. Moped analysiert den ultimativen Schrauber-Film. Warum die TÜV-Szene kein Witz, sondern bitterer Ernst ist, was mein 6-PS-Bonanzarad mit dem „Red Porsche Killer“ gemeinsam hat und warum Meister Röhrich der Urvater aller „Spezialisten“ ist.

Servus Leute!

Willkommen zurück in den Heiligen Hallen! Heute wird es laut, heute wird es dreckig und heute wird es verdammt norddeutsch. Wir beenden unsere kleine Film-Reihe mit einem Werk, das jeder deutsche Schrauber, egal ob er an Zündapp, Kreidler oder Horex schraubt, auswendig mitsprechen kann.

Wir reden über „Werner – Beinhart!“.

Warum dieser Film? Weil er den Endgegner unseres Hobbys thematisiert. Nein, nicht den Rost. Nicht den Kolbenfresser. Er thematisiert den TÜV. Den Mann im grauen Kittel. Den Hüter der Stempel. In diesem Film geht es um den ewigen Kampf: Kreativer Wahnsinn gegen deutsche Bürokratie.

Ich, Mr. Moped, kenne diesen Kampf. Wir bauen hier Bonanzaräder mit 6 PS, wir bauen Mopeds mit Beiwagen für den Kindergarten-Transport, wir bauen Dragster-Mofas für Hockenheim,. Ich weiß, wie es ist, wenn der Prüfer die Stirn runzelt. Aber im Gegensatz zu Werner kriegen wir den Stempel (meistens). Warum das so ist und warum der Wurstblinker eigentlich eine technische Revolution war, das klären wir jetzt.

Schnappt euch ne Flasche Bölkstoff (oder ne Mezzo-Mix), jetzt wird‘s beinhart.

Das Objekt der Begierde: Der „Red Porsche Killer“

Im Zentrum des realen Teils des Films steht eine Maschine, die so krank ist, dass sie eigentlich von mir sein könnte: Der Red Porsche Killer.

  • Die Basis: Vier (!!!) Motoren der Horex Regina (400 ccm).
  • Das Konzept: Alle vier Motoren hintereinander gekoppelt, um einen Porsche 911 im Drag-Race zu versägen.
  • Die Realität: Das Ding wurde wirklich gebaut. Rötger Feldmann (Brösel) ist so ein verrückter Hund wie ich. Er hat nicht nur gezeichnet, er hat geschraubt.

Der Moped-Garage Technik-Check

Vier Einzylinder-Motoren zu synchronisieren, ist die Hölle. Wir haben bei unserem Dragrider-Projekt schon Probleme, einen hochgezüchteten Kreidler-Motor mit Nitromethan am Leben zu halten. Die Kupplung verglüht, das Zündmodul raucht ab.

Stellt euch das mal vier vor!

Die Kurbelwellenverbindung, die Vibrationen, die Hitzeentwicklung. Das ist deutsche Ingenieurskunst, die völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Ich ziehe meinen Hut vor diesem Projekt.

Das ist genau meine Philosophie: „Das ist nicht verrückt, das ist krank!“.
Und genau deshalb ist es geil.

Die Schlüsselszene: Trauma beim TÜV

Kommen wir zur wichtigsten Szene der deutschen Filmgeschichte. Werner fährt mit seinem Umbau beim TÜV vor. Der Prüfer (ein Mann, der zum Lachen in den Keller geht) läuft um das Motorrad. Er sagt den Satz, der uns alle nachts verfolgt: „Datt is nich oregenool!“ (Das ist nicht original).

Er bemängelt:

  • Die Schweißnähte („Da ham wir ja auf der Baustelle schon besser geschweißt!“).
  • Die offene Kette.
  • Die fehlenden Blinker.
  • Die Lautstärke.

Der Moped-Garage Realitätscheck

Leute, das ist mein Alltag!

Wir bekommen täglich Anrufe: „Norbert, ich hab da ne Gabel von der Zündapp KS 50 in meine Hercules Prima gebaut, trägt mir der TÜV das ein?“. Die Antwort ist: Jein. Im Film scheitert Werner, weil er pfuscht (oder weil der Prüfer ein Arsch ist). Wir bei der Moped-Garage sind Gutachter und Sachverständige. Wir wissen:

  1. Festigkeit: Hält der Rahmen die 6 PS aus? (Ja, wenn er verstärkt ist).
  2. Bremsen: Wer 80 fährt, muss auch bremsen. Die originale Mofa-Bremse reicht da nicht. Da muss die 160er Trommel oder eine Scheibe rein.
  3. Dokumentation: Du kannst nicht einfach mit Draht und Spucke kommen. Du brauchst Datenblätter.

Wenn Werner zu mir gekommen wäre, hätten wir den „Red Porsche Killer“ vielleicht nicht durchgekriegt (zu laut, zu gefährlich). Aber seinen Chopper-Umbau? Locker. Wir tragen hier Sachen ein, da schlackern andere mit den Ohren. Lenker, Gabeln, Leistungssteigerungen auf 45, 50 oder 60 km/h. Alles legal. Warum? Weil wir es ordentlich machen. Mit Hand und Fuß. Werner scheitert an der Willkür. Wir besiegen die Willkür mit Kompetenz.

Die Innovation: Der Wurstblinker

Der Prüfer mault: „Wo sind die Blinker?“ Werner: „Blinker? Hab ich nich. Brauch ich nich. Ich hab Wurstblinker!“ Er zieht an einer Schnur, eine Dose Erbsensuppe geht auf, und eine Wurst fährt raus.

Lacht nicht! Das ist Erfindergeist. Technisch gesehen ist das ein Winker (Fahrtrichtungsanzeiger), wie er an alten Käfern oder Vorkriegs-Autos verbaut war.

  • Funktion: Vorhanden.
  • Sichtbarkeit: Gegeben (solange die Wurst nicht gegessen wird).
  • StVZO-Konformität: Naja… §54 StVZO sagt „Lichtzeichen“. Die Wurst leuchtet nicht.

Aber die Idee dahinter feiere ich. Wenn man das passende Teil nicht hat, baut man sich was. Wie bei uns in Hockenheim: Die Startmaschine passt nicht auf das Mofa-Rad? Flex raus, Rolle ab, passend machen!. Man darf sich nicht aufhalten lassen. Geht nicht, gibt’s nicht. Außer beim TÜV, da gibt’s „Geht nicht“ leider sehr oft, wenn man Wurst verbaut.

Meister Röhrich: Der Urvater aller „Spezialisten“

Werner arbeitet bei Meister Röhrich (Gas, Wasser, Scheiße). Röhrich ist der Inbegriff des Pfuschers. Des Cholerikers. Des Typen, der keine Ahnung hat, aber alles besser weiß. „Ich glaub, die Russen sind da!“ (als der Keller explodiert).

Erinnert euch das an jemanden? Richtig! An den „Spezialisten aus Bayern“ aus unserem Franky-Video. Der Typ, der einen Sachs-Motor „revidiert“, aber das Pleuel mit 1mm Höhenspiel einbaut. Der Typ, der den Zylinder mit Schleifpapier hont. Der Typ, der Dichtmasse benutzt wie andere Leute Nutella.

Röhrich würde auch einen Motor ohne Getriebeöl ausliefern. Röhrich würde auch eine Gewindestange als Radachse benutzen. Röhrich ist die Warnung an uns alle: Werde nicht wie Röhrich! Benutze Drehmomentschlüssel! Benutze Passscheiben! Arbeite sauber! Wenn ich sehe, wie Röhrich das „Schnüffelstück“ mit Gewalt reinwürgt, kriege ich Plaque. Genau wie wenn jemand versucht, Lager kalt in ein Motorgehäuse zu prügeln. Physik statt Hammer! (Oder in Röhrichs Fall: Hanf statt Verstand).

Das Rennen: Realität vs. Fiktion

Am Ende des Films (und in der Realität) gab es das Rennen: Red Porsche Killer (Horex) gegen den Porsche 911 von Holgi. Werner hat verloren. Er hat sich verschaltet (oder der Motor ist verreckt).

Die Parallele: Mein Rennen in Hockenheim mit dem Dragrider. David gegen Goliath. Mofa gegen 100 PS Motorrad. Wir haben alles gegeben. Wir haben Nächte durchgeschraubt. Wir haben die „Heilige Flasche“ mit dem Nitro-Mix gesucht. Und dann? Am Start? Ich komme gut weg. Erster Gang, Zweiter Gang… und dann? Die Kupplung rutscht. Kein Kraftschluss mehr. Null Gegendruck. Ich bin mit 90 km/h ins Ziel getuckert. Verloren.

Aber wisst ihr was? Genau wie bei Werner in Hartenholm: Die Fans haben gefeiert. Es ging nicht ums Gewinnen. Es ging darum, dass wir es gemacht haben. Dass wir den Mut hatten, mit einem Haufen Schrott gegen die Großen anzutreten. Das ist der Spirit von Werner. Das ist der Spirit der Moped-Garage. Scheitern gehört dazu. Wichtig ist, dass man wieder aufsteht und sagt: „Ich schlag den nächstes Jahr!“.

Horex: Die vergessene Legende

Durch den Film wurde die Marke Horex wieder berühmt. Die Horex Regina war in den 50ern der Traum des kleinen Mannes. Ein 350er oder 400er Einzylinder. Wunderschön. Heute ist Horex fast vergessen (bis auf die neue Wiederbelebung, die keiner bezahlen kann). Aber für uns Oldtimer-Fans ist das Kulturgut. Genau wie Zündapp oder Kreidler. Es zeigt, dass Deutschland mal eine Macht im Zweiradbau war. Bevor die Japaner kamen und die 80er Jahre alles verändert haben. Der Film ist auch ein Denkmal für diese alte Technik. Technik, die man noch mit dem Hammer reparieren konnte (wenn man Röhrich heißt) oder mit Liebe (wenn man Norbert heißt).

Fazit von Mr. Moped

„Werner – Beinhart!“ ist Pflichtprogramm. Nicht wegen der Witze über Fäkalien. Sondern wegen der tiefen Wahrheit über das Schrauber-Dasein. Der Film zeigt den ewigen Kampf des kleinen Mannes gegen die Regeln. Gegen den TÜV, gegen die Polizei, gegen die Physik.

Was lernen wir daraus?

  1. TÜV ist kein Endgegner: Wenn man es richtig macht (und uns fragt), kriegt man alles eingetragen. Auch ohne Wurstblinker.
  2. Pfusch rächt sich: Wer arbeitet wie Röhrich oder der „Spezialist aus Bayern“, fliegt in die Luft oder bleibt stehen.
  3. Niemals aufgeben: Auch wenn das Rennen verloren ist, die Party danach ist das Wichtigste.

Schaut euch den Film an. Trinkt ein Bölkstoff. Und dann geht in die Garage und baut was Verrücktes. Aber bitte mit TÜV-Segen. Wir helfen euch dabei.

Und vergesst nicht: Das Schnüffelstück muss sitzen!

STAY TUNED!

Euer Mr. Moped (Norbert)

Anhang: Der ultimative TÜV-Guide (Werner vs. Mr. Moped)

Ingenieurskunst trifft Improvisationskunst – der Prüfer entscheidet!
* Werner sieht aus Copyright-Gründen heute ein wenig „anders“ aus 🙂

⚔️ Direktvergleich

Problem🧢 Werners Lösung🧠 Mr. Mopeds Lösung⚖️ Ergebnis
Blinker fehlenWurstblinker (Dose Erbsen)Ochsenaugen oder Kellermann(E-Nummer, korrekt montiert)❌ Werner: Fail✅ Mr. Moped: Eingetragen
Auspuff zu laut„Das muss kesseln!“Dämmwolle + DB-Killer(Leistung bleibt)❌ Werner: Ärger✅ Mr. Moped: Legal
Leistungssteigerung4 Motoren zusammengebasteltZylinder-Porting, Reso-Pott,Prüfstand-Abstimmung💥 Werner: Explodiert🔥 Mr. Moped: 16 PS haltbar
BremsenSchuhsohlen?Scheibenbremse,verstärkte Beläge🩹 Werner: Aua🛑 Mr. Moped: Stoppie
TÜV-AbnahmeStreit & FluchtVorgespräch, Gutachten,Sachverstand🚨 Werner: Stilllegung📜 Mr. Moped: Stempel!

🧠 Lesart für Fortgeschrittene

  • Werner-Prinzip:
    Maximale Kreativität, minimale Physik, null Paragraphen.
    Ergebnis: unterhaltsam, kurzlebig, teuer.
  • Mr.-Moped-Prinzip:
    Serienlogik + Ingenieurdenken + TÜV-Psychologie.
    Ergebnis: schnell und haltbar und legal (die heilige Dreifaltigkeit).

🧪 Meta-Fazit (prüfstandsfest)

Der TÜV hasst Überraschungen, liebt Zahlen und respektiert Vorbereitung.
Improvisation ist Kunst.
Eintragung ist Wissenschaft.

Dieses Schema lässt sich auf Roller, Moped, Oldtimer, Umbauten, E-Bikes mit Identitätskrise übertragen.
Wer das verstanden hat, fährt. Alle anderen schieben.

(P.S.: Wer mir eine Horex Regina bringt, bekommt einen Sonderpreis bei der Inspektion. Aber bitte ohne Wurst in der Elektrik.)

Mit Herz und Hand Review: Der ultimative Schrauber-Film | Mr. Moped über Burt Munro & Dragrider-Wahnsinn

TEASER: Mr. Moped analysiert den Kultfilm über Burt Munro. Warum das Gießen von Kolben in der Küche die hohe Kunst ist, was mein 180 km/h Dragrider-Mofa mit der Indian Scout gemeinsam hat und warum Scheckbuch-Tuner bei diesem Film weinen müssen.

Warum Burt Munro der geistige Vater der Moped-Garage ist

Servus Leute!

Willkommen zurück in den Heiligen Hallen! Heute wird es emotional. Heute wird es laut. Und heute riecht es verdammt streng nach verbranntem Gummi und geschmolzenem Metall.

Wir reden über einen Film, der bei mir im „Tresorraum“ (da wo die ganz seltenen Teile liegen) im DVD-Regal steht. Ganz vorne. Wir reden über „Mit Herz und Hand“. Die Geschichte von Burt Munro. Einem alten Mann aus Neuseeland, der mit einer uralten Indian Scout von 1920 in die USA reist, um auf den Salzseen von Bonneville den Geschwindigkeitsrekord zu brechen.

Warum ich euch diesen Film heute vorstelle? Weil Burt Munro genau das verkörpert, was wir hier in der Moped-Garage jeden Tag leben. Er kauft keinen „Tuning-Kit“ von der Stange. Er hat keinen Sponsor, der ihm das Geld in den Hintern bläst. Er hat nur seine Hände, seinen Schuppen und eine Vision. Er ist der Urvater von Sätzen wie: „Das ist nicht verrückt, das ist krank!“ – und genau das ist auch mein Motto.

Wer unser Dragrider-Projekt kennt (ihr wisst schon, das 180 km/h Mofa-Monster für Hockenheim), der wird in diesem Film Szenen sehen, die uns genauso passiert sind. Nur dass wir statt Salz den heißen Asphalt vom Hockenheimring hatten.

Der Protagonist: Burt Munro (Der erste Mr. Moped?)

Anthony Hopkins spielt diesen Burt Munro so genial, dass man vergisst, dass das ein Hollywood-Schauspieler ist. Man glaubt ihm die ölverschmierten Hände. Burt ist ein Rentner. Er lebt in einer Wellblechhütte. Sein Regal ist voll mit Kolben, auf denen steht: „Angebot an den Gott der Geschwindigkeit“. Das sind die Teile, die ihm um die Ohren geflogen sind.

Der Moped-Garage Realitätscheck: Genau so sieht es bei uns auch aus! Wir haben eine „Wand der Schande“ mit Pleueln, die es zerrissen hat, mit Kolben, die Löcher haben. Burt gießt seine Kolben selbst. In der Küche. Aus alten Chevrolet-Kolben und Gasleitungsrohren. Das ist High-End-Pfusch auf höchstem Niveau! Aber im positiven Sinne. Er nutzt Physik. Er weiß: „Ich brauche eine andere Legierung“, also mischt er sie sich zusammen. Wir machen das ähnlich. Wenn die Nachbau-Buchsen für die Schwinge Schrott sind (und das sind sie oft, China-Müll mit Presspassung!), dann heulen wir nicht rum. Wir lassen eigene Buchsen drehen. Made in Germany. Aus Lagerbronze. Weil wir es besser können. Burt wäre stolz auf uns.

Die Parallele: Die Indian Scout vs. Der Dragrider

Schauen wir uns die Maschinen an. Hier zeigt sich, dass Wahnsinn zeitlos ist.

Burts Indian Scout (1920)

  • Basis: Ein Vorkriegs-Motorrad, das eigentlich für 80 km/h gebaut wurde.
  • Modifikation: Er hat den Kopf umgebaut (OHV), die Zylinder aufgebohrt, eine Stromlinienverkleidung aus einem alten Tank (?) gedengelt.
  • Das Werkzeug: Ein Brotmesser, um die Reifen profillos zu schneiden (Slicks für Arme). Eine Feile für die Nockenwelle.

Unser Dragrider (Das Mofa auf Steroiden)

  • Basis: Ein Hercules MX1 Rahmen aus dem Schrottcontainer. Eigentlich Kernschrott.
  • Modifikation:
    • Motor: Kreidler Florett Basis, massiv bearbeitet.
    • Gabel: Zündapp CS 25, angepasst.
    • Sprit: „Die Heilige Flasche“ – eine Mischung aus Rennsprit, Ultimate, Spezial-Öl und Nitromethan.
  • Das Ziel: Burt wollte 200 mph. Wir wollten den Weltrekord für Mofas (131 km/h) knacken und Richtung 180 km/h gehen.

Beide Projekte sind Frankenstein-Monster. Burt hat Teile von Ford, Chevy und Indian gemischt. Wir haben Hercules, Zündapp, Kreidler und Honda (die Maske!) kombiniert. Das ist wahres Tuning. Nicht Katalog aufschlagen und bestellen.

Sondern: Was liegt im Regal? Was passt mit der Flex? Schweißgerät an, fertig.

Die Schlüsselszenen: Wo ich mitfühlen musste

Es gibt Momente in dem Film, da saß ich mit René (meinem Chef-Mechaniker) vor dem Fernseher und wir haben geschrien: „KENNEN WIR!“

Szene 1: Der Zollstock und die Regeln

Burt kommt in Bonneville an. Die technischen Kommissare lachen ihn aus. „Keine Bremse? Kein Fallschirm? Die Reifen sind porös? Du fährst nicht!“ Realität: Das kennen wir vom TÜV. Wir kommen mit einem Bonanzarad mit 6 PS Motor an. Der Prüfer schaut uns an, als wären wir Aliens. Aber genau wie Burt überzeugen wir mit Fachwissen. Wir erklären: „Der Rahmen ist verstärkt. Die Bremse ist angepasst.“ Und am Ende kriegen wir die Plakette (oder Burt die Startfreigabe). Weil echte Technik-Liebe überzeugt. „Legal, Illegal, Scheißegal?“ Nein! Legal durch Kompetenz.

Szene 2: Das Hitzeproblem

Burt fährt. Sein Bein liegt am heißen Auspuff an. Er verbrennt sich das Fleisch, aber er geht nicht vom Gas. Realität: Hockenheimring, Nitrolympix. 34 Grad im Schatten. Ich stehe im Rennanzug am Start. Mein Gegner: Ein 100 PS Motorrad. Die Hitze ist unser Feind. Nicht mein Bein brennt (obwohl ich in der Lederkombi sterbe), sondern die Technik. Das Zündmodul raucht uns ab. Wir reparieren es noch im Fahrerlager. Dann der Start. Ich ziehe los. Die Kreidler brüllt. Erster Gang, Zweiter Gang… und dann? Die Kupplung verglüht. Durch die Hitze haben die Federn keine Spannkraft mehr. „Null Gegendruck“. Ich greife ins Leere. Ich bin mit 90 km/h ins Ziel getuckert. Burt hat seinen Rekord geschafft, ich habe verloren. Aber der Schmerz? Der ist identisch. Du hast Monate gearbeitet, und dann scheitert es an einer verdammten Feder oder einem heißen Auspuff.

Szene 3: Das Pendeln (Speed Wobble)

Burt erreicht hohe Geschwindigkeiten und das Motorrad fängt an zu pendeln (Wobble). Das ist der Moment, wo du normalerweise stirbst. Realität: Wir haben den Dragrider Rahmen verstärkt, genau aus diesem Grund. Ein Mofa-Rahmen (Hercules MX1) ist für 25 km/h gebaut. Wenn du da 100+ fährst, wird das Ding weich wie eine Nudel. Wir haben eine Zündapp-Gabel genommen, weil die stabiler ist. Wir haben den Lenkkopf neu konstruiert. Wenn Burt im Film das Pendeln abfängt, indem er sich auf den Tank legt… das ist Physik. Schwerpunktverlagerung. Das machen wir auf dem Prüfstand auch, wenn wir die 13.000 Umdrehungen anpeilen.

Warum „Scheckbuch-Tuner“ diesen Film hassen

Es gibt im Film diesen Typen mit der nagelneuen Maschine, dem perfekten Team, dem teuren Equipment. Er belächelt Burt. Am Ende fährt Burt schneller. Mit einer Maschine von 1920.

Das ist die Botschaft der Moped-Garage. Wir kriegen oft Mails: „Hey Mr. Moped, ich hab mir für 500 Euro den High-End-Zylinder gekauft, warum läuft meine Karre nicht?“ Weil du keine Ahnung hast, Kevin! Du hast Teile gekauft, aber du hast das System nicht verstanden. Burt Munro feilt an seinen Kanälen. Er versteht Strömungslehre intuitiv. Er weiß: Einlass, Auslass, Resonanz – das muss harmonieren. Genau das predigen wir in unseren Videos. Ein 12er Vergaser auf einem 8mm Ansaugstutzen bringt nichts außer Verwirbelung. Das ist wie Atmen durch einen Strohhalm beim Marathon. Burt Munro beweist: Wissen ist PS. Nicht Geld ist PS.

Technik-Exkurs: Was Burt anders macht

Für die Nerds unter euch: Burt fährt mit Nitromethan (oder einer ähnlichen „Hexenküche“-Mischung). Wir machen das beim Dragrider auch. Unsere „Heilige Flasche“. Nitromethan bringt den Sauerstoff für die Verbrennung selbst mit. Das Zeug ist hochexplosiv. Wenn du das Gemisch falsch einstellst, hast du keinen Kolbenfresser, sondern ein Loch im Kurbelgehäuse. Im Film sieht man, wie er die Mischung „abschmeckt“ (nicht nachmachen!). Wir nutzen dafür lieber Datenblätter und Erfahrung. Aber der Effekt ist der gleiche: Wenn das Zeug zündet, dann ist Achterbahn.

Fazit von Mr. Moped

„Mit Herz und Hand“ ist der beste Film über unser Hobby, den es gibt. Punkt. Er zeigt, dass es egal ist, wie alt du bist (Burt war fast 70!). Er zeigt, dass es egal ist, wie viel Geld du hast. Es zählt nur eins: Gibst du auf oder machst du weiter?

Als ich beim Dragrider-Rennen am Hockenheimring gescheitert bin, als die Kupplung verraucht ist, stand ich da und habe gesagt: „Ich gebe nicht auf. Ich schwöre, so wahr ich hier stehe, ich schlage den nächstes Jahr!“. Genau das würde Burt auch sagen.

Schaut euch den Film an. Aber nicht auf dem Handy. Setzt euch hin, dreht den Ton auf. Und wenn Burt den Motor anwirft und dieses alte V2-Monster loshämmert… dann wisst ihr, warum wir uns die Hände dreckig machen.

Und dann? Dann geht raus in die Garage. Nehmt euch das alte Projekt vor, das in der Ecke steht. Die Zündapp, die nicht anspringt. Die Hercules, die Falschluft zieht. Und repariert sie. Nicht mit Neuteilen aus China. Sondern mit Herz, Hand und Verstand.

Wir sehen uns auf der Piste.

STAY TUNED!

Euer Mr. Moped

Anhang: Der ultimative Vergleich – David vs. Goliath

FeatureBurt Munros IndianMr. Mopeds Dragrider
Baujahr Basis1920 (Scout)1980er (Hercules MX1 Rahmen)
MotorV2 4-Takt (stark modifiziert)1-Zylinder 2-Takt (Kreidler Basis)
Hubraumca. 950 ccm (aufgebohrt)ca. 80+ ccm (High-End)
TreibstoffMethanol/Nitro-Mix„Heilige Flasche“ (Nitro-Mix)
ProblemeSpeed Wobble, VerbrennungenKupplung verglüht, Zündmodul-Hitze
Top Speed201 mph (ca. 323 km/h)Ziel: 180 km/h (Real: 90 km/h defekt)
StatusLegende„Wir kommen wieder!“

(P.S.: Falls jemand weiß, wo man Kupplungsfedern herbekommt, die 34 Grad und Nitromethan aushalten… schreibt mir eine Mail an technik@moped-garage.net!)