Kreidler vs. Zündapp: Der ewige Glaubenskrieg (Und warum die Supra Enduro alles schlägt)

Servus Leute!

Es gibt Fragen, die spalten die Menschheit. Beatles oder Stones? Ketchup oder Mayo? Zündapp oder Kreidler?

Wenn ihr in den 70ern oder 80ern auf dem Schulhof standet, gab es keine Neutralität. Du warst entweder im Lager der Kornwestheimer (Kreidler) oder im Lager der Münchner (Zündapp). Wer eine Hercules fuhr, wurde meistens mitleidig belächelt (dazu kommen wir später noch, das wird peinlich für uns…).

Heute klären wir diesen Glaubenskrieg ein für alle Mal. Nicht am Stammtisch, nicht im Internet-Forum, sondern dort, wo es weh tut: Im Dreck. Wir sind auf der Cross-Strecke des MSC Durmersheim. Der Boden ist tief, die Sonne brennt, und wir fahren das „Rennen um die Wurst“. Der Verlierer muss im Wurst-Kostüm (kein Witz) für die ganze Mannschaft grillen. Die Ehre steht auf dem Spiel.

Die Kontrahenten: Stahl gewordene Legenden

Wir treten an mit dem Besten, was die deutsche Ingenieurskunst im Bereich „Leichtkraftrad-Enduro“ hervorgebracht hat.

1. Die Bestie: Kreidler Florett Mustang (Cross)

Mein Pferd im Stall. Eigentlich ist das eine Mogelpackung. Ursprünglich war das eine belgische Version mit Pedalen und schlappen 0,9 PS. Wir haben das Ding aber auf „Mustang Cross“ umgebaut.

Der Motor: Ein 4-Gang Aggregat, aufgeblasen auf ca. 2,9 PS (RS-Zylinder).

Das Fahrwerk: Leider Gottes der Standard-Florett-Rahmen. Kreidler hat in den 70ern den Enduro-Trend etwas verpennt und einfach „Enduro-Teile“ an den Straßenrahmen geschraubt.

Der Vorteil: Der Motor ist giftig.

Der Nachteil: Die Gabel. Die unteren Führungen sind aus Kunststoff. Wenn du die tauschen willst, musst du sie quasi raussägen. Das ist eine Katastrophe für jeden Mechaniker.

2. Die Schönheit: Zündapp Hai 50

Rene tritt an mit der Zündapp. Die Hai 50 (Typ 448) war eine komplette Neuentwicklung. Ein geschlossener Rahmen mit Unterzügen, extra für den Geländeeinsatz konstruiert.

Design: Das berühmte „Haifischmaul“-Design am Tank. Sauteuer in der Herstellung, aber wunderschön.

Technik: Der unverwüstliche Zündapp-Motor mit dem berüchtigten „Ziehkeil“-Getriebe.

Der Vorteil: Ein echtes Fahrwerk mit klappbaren Fußrasten (wichtig, wenn’s einen maul!).

3. Der lachende Dritte: Hercules Supra Enduro

Und dann ist da Steffen. Steffen ist unser Mann hinter der Kamera. Steffen fährt normalerweise Vespa (Plastik-Roller!). Steffen war noch nie auf einer Cross-Strecke. Aber Steffen hat sich die Hercules Supra Enduro geschnappt. Jeder hat über Hercules gelacht. Aber dieses Ding hat den Sachs 506 Motor drin, den „großen“ mit dem schrägen Zylinder. Doppelter Schleifenrahmen, 17 Zoll hinten, 19 Zoll vorne. Ein echtes Motorrad im Miniaturformat.

Das Rennen: Wo der Barthel den Most holt

Die Strecke in Durmersheim ist tiefster Sand. Das ist der Endgegner für Mopeds mit wenig Leistung. Wenn du hier vom Gas gehst, stehst du. Sofort.

Runde 1: Ich (Kreidler) schieße nach vorne. Der Motor hängt super am Gas. Die Mustang brüllt. Rene (Zündapp) kämpft mit dem Getriebe. Das Zündapp-Problem: Der Schaltweg zwischen 1. und 2. Gang ist so lang wie ein Roman von Tolstoi. Im tiefen Sand verhungert er beim Schalten. Klack… Pause… Klack. Bis der Gang drin ist, steht das Moped.

Der Schock: Plötzlich fliegt Steffen an uns vorbei. Der Typ, der sonst Vespa fährt! Die Hercules Supra bügelt alles weg. Warum? Weil Sachs bei diesem Motor die Getriebeabstufung perfekt hinbekommen hat. Der Anschluss vom 1. in den 2. Gang passt genau. Die Drehzahl fällt nicht in den Keller. Er zieht einfach durch.

Aber dann passiert es: Steffen springt über einen Hügel. KLONG! Die Gabel der Hercules schlägt beim Ausfedern metallisch an. „Ich dachte, da schlägt einer mit dem Vorschlaghammer drauf“, hat er später gesagt. Der Negativfederweg ist eine Katastrophe, aber das Ding läuft stur geradeaus.

Die Analyse: Wer baut das beste Moped?

Nachdem wir den Staub aus den Zähnen geputzt haben (und Steffen uns leider nicht die Wurst grillen musste, weil er tatsächlich gewonnen hat – Asche auf mein Haupt!), hier das knallharte, objektive Mr. Moped Urteil.

Platz 3: Die Kreidler Florett Mustang

Es tut mir im Herzen weh, aber im Gelände ist sie nur Dritte. Der Motor ist spritzig, keine Frage. Aber das Fahrwerk ist ein Straßenfahrwerk in Verkleidung. Die Sitzposition, der Lenker – man merkt einfach, dass Kreidler hier „Baukasten-Tuning“ betrieben hat, um schnell auf den Enduro-Markt zu kommen. Aber: Auf der Straße oder dem Feldweg macht sie Laune. Sie ist roh, sie ist laut, sie ist Kreidler.

Platz 2: Die Zündapp Hai 50

Technisch ist sie der Kreidler überlegen. Der Rahmen ist steifer, die Gabel ist besser (und revidierbar!), die Detaillösungen wie die Klapprasten sind durchdacht. Das Problem ist einzig und allein das Getriebe im harten Gelände. Für die Straße ist das Ziehkeil-Getriebe butterweich und komfortabel. Aber wenn du im Sand steckst und hektisch schalten musst, ist der lange Schaltweg dein Tod. Optisch? Die Königin. Dieses Heck, dieser Tank… zum Niederknien.

Platz 1 (Unglaublich, aber wahr): Hercules Supra Enduro

Man muss neidlos anerkennen: Das ist das beste Fahrzeug in diesem Vergleich. Der Sachs-Motor ist ein Traktor. Das Fahrwerk liegt satt (trotz der klappernden Gabel). Die Sitzposition ist wie auf einer großen Enduro. Hercules hat hier nicht gebastelt, sondern konstruiert. Wer wirklich ins Gelände will, muss die Supra nehmen.

Schlusswort: Die Wurst hat geschmeckt

Am Ende ist es egal, welche Marke auf dem Tank steht. Hauptsache, es ist aus Blech, es riecht nach Zweitakt und es kommt nicht aus China. Wir hatten einen Riesenspaß. Und auch wenn ich verloren habe: Die Wurst vom Grill schmeckt am besten, wenn man sie mit Freunden isst, die genauso bescheuert sind wie man selbst.

Schreibt mal in die Kommentare: Seid ihr Team Zündapp oder Team Kreidler? Oder traut sich einer, sich als Hercules-Fahrer zu outen?

Wir sehen uns auf der Strecke (oder am Grill)!

STAY TUNED!

Euer Mr. Moped (Der heute mal den zweiten Platz gemacht hat)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert