Servus Leute!
Willkommen zurück in den Heiligen Hallen. Heute öffnen wir wieder die „Kuriositätenkiste“. Und wer springt uns da entgegen? Unser Freund Franky. Ja, genau der Franky, der schon mit dem „Horror-Sachs-Motor“ bei uns war. Scheinbar zieht er das Pech magisch an – oder er hat einfach ein Händchen für „ganz besondere“ Kaufentscheidungen.
Diesmal geht es um den heiligen Gral der Mofas: Eine Kreidler Flory MF 23. Franky hat das Ding gekauft. „Top restauriert“, hieß es. „Fahrbereit“, hieß es. Bei unserer letzten Samstagsausfahrt ist uns dann aber aufgefallen: Franky hat Probleme. Sobald eine Brücke in Sichtweite kam – und ich rede nur von Sichtweite, nicht mal von Steigung – ist die Kiste von 40 km/h auf 5 km/h eingebrochen. Er musste fast mitrudern.
Das konnte so nicht bleiben. Also ab auf den P4 Leistungsprüfstand. Und was wir da gemessen haben, glaubt ihr nicht.
Die nackte Wahrheit (0,8 PS am Hinterrad)
Wir spannen die Flory auf die Rolle. Original soll eine MF 23 satte 1,5 PS haben. Wir lassen sie laufen. Der Motor schreit, das Hinterrad dreht sich. Das Ergebnis auf dem Monitor: 0,8 PS.
📉 Der Dyno-Schock
Leute, lasst euch das auf der Zunge zergehen. Das „Tuning“ des Vorbesitzers hat die Leistung halbiert! Das Ding hat weniger Kraft als ein Pürierstab. Wie schafft man das? Wie kriegt man ein solides Kreidler-Mofa so kaputt, ohne es komplett zu zerstören?
Die Analyse – Anatomie eines Tuning-Verbrechens
Wir haben den Motor aufgemacht. Und was wir gefunden haben, ist das perfekte Lehrbuch-Beispiel für: „Ich habe keine Ahnung, aber ich habe einen Bohrer.“
Fehler 1: Der Vergaser-Wahnsinn
Der Vorbesitzer dachte wohl: „Viel hilft viel“. Er hat den originalen 10er Vergaser gegen einen 12er Vergaser getauscht. Klingt erst mal sportlich. ABER: Er hat den originalen Ansaugstutzen draufgelassen.
Und der hat bei der Flory mickrige 8 mm Durchlass. Stellt euch vor, ihr versucht, einen Swimmingpool durch einen Strohhalm zu füllen. Das Gemisch knallt gegen eine Kante, verwirbelt, und am Ende kommt weniger im Zylinder an als vorher. Strömungslehre: Sechs, Setzen!
Fehler 2: Die Öl-Orgie
Der Auspuff war nicht nur zu, er war betoniert. Der Vorbesitzer ist wohl eine Mischung gefahren, die eher nach 1:10 aussah als nach 1:50.
Der Auspuff war so voller Ölkohle, dass da vielleicht noch 3 Millimeter Platz waren, wo Abgas durchkonnte. Ein Zweitakter braucht Gegendruck, ja. Aber er muss auch ausatmen können! Das war Verstopfung im Endstadium.
🛢️ Wie viel Öl war im Tank?
Schieb den Regler, um Frankys Mischung zu finden:
Alles okay. Das Moped raucht kaum.
Die Rettung (So wird es richtig gemacht)
Wir haben Franky natürlich nicht mit 0,8 PS nach Hause geschickt. Er wollte Power. Er wollte den Berg hochkommen. Also haben wir das Konzept einmal komplett neu gestrickt – mit Hand und Fuß.
Das Mr. Moped Setup:
🛠️ Das Mr. Moped Setup-Log
Weil der „Flaschenhals“ weg ist. Ein 14er Vergaser bringt nur etwas, wenn der Stutzen und der Zylinder die Menge auch verarbeiten können.
Merke: Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied (oder der engste Durchlass).
1. Zylinder: Ein 2,9 PS Zylinder (mit passenden Steuerzeiten).
2. Vergaser: Ein echter 14er Vergaser (passend zum Zylinder).
3. Ansaugstutzen: Natürlich auch offen, passend zum 14er Durchlass.
4. Auspuff: Frei, sauber und abgestimmt.
5. Übersetzung: Angepasst, damit die Kraft auch auf die Straße kommt.
Das Ergebnis: Wir haben jetzt knapp 3 PS am Hinterrad. Das Ding läuft echte 50 km/h. Und das Beste: Die Kupplung rutscht jetzt! Warum? Weil endlich Kraft da ist! (Die haben wir natürlich auch noch fixiert).
Kaputt-Frisiert ist auch eine Kunst
Frankys Flory ist das beste Beispiel dafür, warum man beim Moped-Kauf vorsichtig sein muss. „Läuft 40“ heißt oft nur: „Läuft bergab mit Rückenwind und Heimweh 40, aber wehe es kommt eine Steigung“.
Wenn ihr tunen wollt: Macht es mit Verstand.
Passt die Komponenten aneinander an. Ein großer Vergaser auf einem kleinen Loch ist physikalischer Unfug. Und vor allem: Fahrt das richtige Gemisch! Öl gehört in den Tank, aber nicht so viel, dass ihr damit Straßen teeren könnt.
Franky ist jetzt glücklich. Er kommt den Berg hoch, und wir müssen ihn nicht mehr anschieben. Und wir? Wir warten gespannt, welches Fahrzeug Franky als Nächstes anschleppt. Ich habe da so ein Gefühl, dass die Kuriositätenkiste noch nicht leer ist…
STAY TUNED!
Euer Mr. Moped
