Kreidler vs. Zündapp: Der ewige Glaubenskrieg (Und warum die Supra Enduro alles schlägt)

Servus Leute!

Es gibt Fragen, die spalten die Menschheit. Beatles oder Stones? Ketchup oder Mayo? Zündapp oder Kreidler?

Wenn ihr in den 70ern oder 80ern auf dem Schulhof standet, gab es keine Neutralität. Du warst entweder im Lager der Kornwestheimer (Kreidler) oder im Lager der Münchner (Zündapp). Wer eine Hercules fuhr, wurde meistens mitleidig belächelt (dazu kommen wir später noch, das wird peinlich für uns…).

Heute klären wir diesen Glaubenskrieg ein für alle Mal. Nicht am Stammtisch, nicht im Internet-Forum, sondern dort, wo es weh tut: Im Dreck. Wir sind auf der Cross-Strecke des MSC Durmersheim. Der Boden ist tief, die Sonne brennt, und wir fahren das „Rennen um die Wurst“. Der Verlierer muss im Wurst-Kostüm (kein Witz) für die ganze Mannschaft grillen. Die Ehre steht auf dem Spiel.

Die Kontrahenten: Stahl gewordene Legenden

Wir treten an mit dem Besten, was die deutsche Ingenieurskunst im Bereich „Leichtkraftrad-Enduro“ hervorgebracht hat.

1. Die Bestie: Kreidler Florett Mustang (Cross)

Mein Pferd im Stall. Eigentlich ist das eine Mogelpackung. Ursprünglich war das eine belgische Version mit Pedalen und schlappen 0,9 PS. Wir haben das Ding aber auf „Mustang Cross“ umgebaut.

Der Motor: Ein 4-Gang Aggregat, aufgeblasen auf ca. 2,9 PS (RS-Zylinder).

Das Fahrwerk: Leider Gottes der Standard-Florett-Rahmen. Kreidler hat in den 70ern den Enduro-Trend etwas verpennt und einfach „Enduro-Teile“ an den Straßenrahmen geschraubt.

Der Vorteil: Der Motor ist giftig.

Der Nachteil: Die Gabel. Die unteren Führungen sind aus Kunststoff. Wenn du die tauschen willst, musst du sie quasi raussägen. Das ist eine Katastrophe für jeden Mechaniker.

2. Die Schönheit: Zündapp Hai 50

Rene tritt an mit der Zündapp. Die Hai 50 (Typ 448) war eine komplette Neuentwicklung. Ein geschlossener Rahmen mit Unterzügen, extra für den Geländeeinsatz konstruiert.

Design: Das berühmte „Haifischmaul“-Design am Tank. Sauteuer in der Herstellung, aber wunderschön.

Technik: Der unverwüstliche Zündapp-Motor mit dem berüchtigten „Ziehkeil“-Getriebe.

Der Vorteil: Ein echtes Fahrwerk mit klappbaren Fußrasten (wichtig, wenn’s einen maul!).

3. Der lachende Dritte: Hercules Supra Enduro

Und dann ist da Steffen. Steffen ist unser Mann hinter der Kamera. Steffen fährt normalerweise Vespa (Plastik-Roller!). Steffen war noch nie auf einer Cross-Strecke. Aber Steffen hat sich die Hercules Supra Enduro geschnappt. Jeder hat über Hercules gelacht. Aber dieses Ding hat den Sachs 506 Motor drin, den „großen“ mit dem schrägen Zylinder. Doppelter Schleifenrahmen, 17 Zoll hinten, 19 Zoll vorne. Ein echtes Motorrad im Miniaturformat.

Das Rennen: Wo der Barthel den Most holt

Die Strecke in Durmersheim ist tiefster Sand. Das ist der Endgegner für Mopeds mit wenig Leistung. Wenn du hier vom Gas gehst, stehst du. Sofort.

Runde 1: Ich (Kreidler) schieße nach vorne. Der Motor hängt super am Gas. Die Mustang brüllt. Rene (Zündapp) kämpft mit dem Getriebe. Das Zündapp-Problem: Der Schaltweg zwischen 1. und 2. Gang ist so lang wie ein Roman von Tolstoi. Im tiefen Sand verhungert er beim Schalten. Klack… Pause… Klack. Bis der Gang drin ist, steht das Moped.

Der Schock: Plötzlich fliegt Steffen an uns vorbei. Der Typ, der sonst Vespa fährt! Die Hercules Supra bügelt alles weg. Warum? Weil Sachs bei diesem Motor die Getriebeabstufung perfekt hinbekommen hat. Der Anschluss vom 1. in den 2. Gang passt genau. Die Drehzahl fällt nicht in den Keller. Er zieht einfach durch.

Aber dann passiert es: Steffen springt über einen Hügel. KLONG! Die Gabel der Hercules schlägt beim Ausfedern metallisch an. „Ich dachte, da schlägt einer mit dem Vorschlaghammer drauf“, hat er später gesagt. Der Negativfederweg ist eine Katastrophe, aber das Ding läuft stur geradeaus.

Die Analyse: Wer baut das beste Moped?

Nachdem wir den Staub aus den Zähnen geputzt haben (und Steffen uns leider nicht die Wurst grillen musste, weil er tatsächlich gewonnen hat – Asche auf mein Haupt!), hier das knallharte, objektive Mr. Moped Urteil.

Platz 3: Die Kreidler Florett Mustang

Es tut mir im Herzen weh, aber im Gelände ist sie nur Dritte. Der Motor ist spritzig, keine Frage. Aber das Fahrwerk ist ein Straßenfahrwerk in Verkleidung. Die Sitzposition, der Lenker – man merkt einfach, dass Kreidler hier „Baukasten-Tuning“ betrieben hat, um schnell auf den Enduro-Markt zu kommen. Aber: Auf der Straße oder dem Feldweg macht sie Laune. Sie ist roh, sie ist laut, sie ist Kreidler.

Platz 2: Die Zündapp Hai 50

Technisch ist sie der Kreidler überlegen. Der Rahmen ist steifer, die Gabel ist besser (und revidierbar!), die Detaillösungen wie die Klapprasten sind durchdacht. Das Problem ist einzig und allein das Getriebe im harten Gelände. Für die Straße ist das Ziehkeil-Getriebe butterweich und komfortabel. Aber wenn du im Sand steckst und hektisch schalten musst, ist der lange Schaltweg dein Tod. Optisch? Die Königin. Dieses Heck, dieser Tank… zum Niederknien.

Platz 1 (Unglaublich, aber wahr): Hercules Supra Enduro

Man muss neidlos anerkennen: Das ist das beste Fahrzeug in diesem Vergleich. Der Sachs-Motor ist ein Traktor. Das Fahrwerk liegt satt (trotz der klappernden Gabel). Die Sitzposition ist wie auf einer großen Enduro. Hercules hat hier nicht gebastelt, sondern konstruiert. Wer wirklich ins Gelände will, muss die Supra nehmen.

Schlusswort: Die Wurst hat geschmeckt

Am Ende ist es egal, welche Marke auf dem Tank steht. Hauptsache, es ist aus Blech, es riecht nach Zweitakt und es kommt nicht aus China. Wir hatten einen Riesenspaß. Und auch wenn ich verloren habe: Die Wurst vom Grill schmeckt am besten, wenn man sie mit Freunden isst, die genauso bescheuert sind wie man selbst.

Schreibt mal in die Kommentare: Seid ihr Team Zündapp oder Team Kreidler? Oder traut sich einer, sich als Hercules-Fahrer zu outen?

Wir sehen uns auf der Strecke (oder am Grill)!

STAY TUNED!

Euer Mr. Moped (Der heute mal den zweiten Platz gemacht hat)

Das Dragrider-Projekt: 180 km/h mit dem Mofa? (Zwischen Nitromethan und Nervenzusammenbruch)

Servus Leute!

Willkommen zurück in den Heiligen Hallen. Normalerweise reden wir hier über verstopfte Düsen, falsches Getriebeöl oder darüber, wie man einen Bing-Vergaser so einstellt, dass er nicht nur Benzin vernichtet, sondern auch Leistung produziert. Aber heute… heute lassen wir die Vernunft mal komplett an der Garderobe hängen.

Heute geht es um ein Projekt, das viele als „ambitioniert“ bezeichnen würden. Ich bezeichne es anders: „Das ist nicht verrückt, das ist krank!“.

Wir reden über den Dragrider. Wir reden über den Versuch, mit einem Haufen Schrott, der zu 95% aus Mofa-Teilen besteht, den Viertelmeilen-Weltrekord zu knacken. Wir reden über Hockenheim, über 34 Grad im Schatten, über verglühte Kupplungen und über die Jagd nach der „Heiligen Flasche“.

Schnallt euch an. Es wird laut, es wird schnell, und am Ende riecht es verdammt streng nach verbranntem Belag.

Die Geburt des Monsters (Aus dem Schrottcontainer)

Wie fängt so eine Schnapsidee an? Meistens mit einem Satz wie: „Wetten, dass das geht?“ Unser Ziel war klar: Wir wollen die Nitrolympix rocken. Wir wollen auf dem Hockenheimring gegen die Großen antreten. David gegen Goliath. Ein Mofa gegen ein 100 PS Motorrad. Das Ziel für den Weltrekord lag bei 131 km/h. Aber wir wollten mehr. Wir wollten die Schallmauer durchbrechen. 180 km/h war die Vision. Vielleicht sogar Richtung 200.

Aber womit? Ich bin Sammler. Ich habe ein psychisches Problem, ich kann nicht „Nein“ sagen, wenn mir einer Teile hinstellt. Und genau da lag die Lösung. Wir haben einen alten Hercules MX1 Rahmen aus dem Schrottcontainer gezogen. Das Ding war eigentlich Kernschrott. Rostig, verlebt, vergessen. Aber ich habe ihn angeschaut und gesagt: „Das ist er. Da bauen wir jetzt den Dragrider draus.“.

Das Frankenstein-Prinzip

Das Besondere an diesem Monster ist nicht, dass wir einfach einen Motorrad-Motor in einen Mofa-Rahmen geschweißt haben. Das kann jeder. Nein, der Dragrider besteht zu 95 Prozent aus Mofa-Teilen. Es ist ein Frankenstein-Monster aus acht verschiedenen Modellen:

Rahmen: Hercules MX1 (massiv verstärkt, damit er uns bei 180 nicht auseinanderbricht).

Gabel: Zündapp CS 25 (angepasst).

Motor: Ein wildes Konglomerat, basierend auf einem Kreidler-Herz, aufgeblasen bis zum Gehtnichtmehr.

Leistung: Ziel waren 15 bis 18 PS. Das klingt für Motorradfahrer niedlich. Aber für ein Fahrrad mit Hilfsmotor ist das, als würdest du eine Saturn-V-Rakete an ein Kettcar binden.

Die Vorbereitung (Oder: Wo ist die verdammte Flasche?)

Die Tage vor dem Rennen waren der Horror. Rene, mein Freund und Chef-Mechaniker, und ich haben quasi in der Werkstatt gewohnt. Wir waren kopfmäßig auf 200. Du schläfst nicht mehr, du isst kaum noch, du denkst nur noch an Gemischaufbereitung und Zündkurven.

Und dann passierte das, was immer passiert, wenn man unter Zeitdruck steht: Das Chaos bricht aus. Wir hatten eine Spezialmischung für den Tank entwickelt. Das war kein normales 1:50 von der Tankstelle. Das war Hexenwerk:

• Rennsprit

• Etwas Ultimate

• Ein ganz spezielles Zweitakt-Öl

• Und die Geheimzutat: Nitromethan.

Das Zeug war in einer speziellen Flasche. Der „Heiligen Flasche“. Jeder weiß normalerweise, wo sie steht. Sie ist das Herzblut des Projekts. Und drei Tage vor dem Rennen? Weg. Einfach weg. In meinem Mofa-Reich in Neulußheim verschollen. Ich bin fast wahnsinnig geworden. Du suchst zwischen 50.000 Ersatzteilen nach einer Flasche, von der dein Leben (oder zumindest dein Ruhm) abhängt. Das sind die Momente, wo du dich fragst: „Warum mache ich nicht einfach Briefmarkensammeln?“.

(Spoiler: Wir haben sie gefunden. Aber meine Nerven waren da schon so dünn wie eine Zylinderkopfdichtung aus Papier.)

Das Starter-Drama (Flexen am Hockenheimring)

Wir hatten den Sprit. Wir hatten das Mofa. Aber wir hatten ein riesiges technisches Problem: Wie kriegen wir das Biest an? Normalerweise hast du Pedale. Aber bei der Verdichtung und dem Setup trittst du dir eher das Knie durchs Kinn, als dass der Motor anspringt. Die Profi-Teams haben diese coolen Startmaschinen. Du stellst das Hinterrad auf eine Rolle, drückst einen Knopf, und Wrooom.

Wir hatten keine. Also haben wir kurzentschlossen einen Starter bestellt. Das Ding kam natürlich nicht. Tagelang warten. DHL-Tracking aktualisieren. Nichts. Dann, quasi in letzter Sekunde, kommt das Paket. „Yes!“ denke ich. „Gerettet!“.

Wir packen das Ding aus. Wir schleppen es zum Hockenheimring. Die Kulisse ist gigantisch. Tausende Zuschauer, der Asphalt glüht, die Luft riecht nach Gummi und Benzin. Wir wollen den Starter ausprobieren. Und was ist? Er passt nicht.. Die Rolle ist zu breit, der Rahmen zu schmal, irgendwas ist immer im Weg.

Was machst du am Hockenheimring, wenn das Werkzeug nicht passt? Du fängst nicht an zu weinen. Du holst die Flex. „Können wir die Rolle nicht wegmachen? Können wir das nicht abschrauben?“. Wir haben vor Ort, im Fahrerlager, zwischen den High-End-Teams mit ihren Laptops und Telemetrie-Daten, angefangen, unseren nagelneuen Starter zu zerlegen und passend zu machen. Das ist Moped-Garage-Style. Was nicht passt, wird passend gemacht.

Der Lauf (34 Grad und keine Gnade)

Dann war es soweit. Der Tag des Rennens. Die Sonne brannte vom Himmel. 34 Grad im Schatten. Der Asphalt war so heiß, dass du Spiegeleier darauf braten konntest. Für einen luftgekühlten, bis ans Limit getunten Zweitakter ist das der absolute Endgegner. Hitze ist der Tod. Hitze bedeutet Leistungsverlust, Klemmer-Gefahr und weiche Kupplungsfedern.

Ich stand an der Startlinie. Neben mir der Gegner: Ein 100 PS Motorrad. Ein Goliath aus Stahl und Plastik. Ich auf meinem Hercules-Zündapp-Kreidler-Frankenstein. Der Puls? Irgendwo bei 180. Genau da, wo eigentlich die km/h sein sollten.

Die Ampel schaltet. Green Light!

Ich lasse die Kupplung kommen. Der Start war gut. Der Motor brüllt. Erster Gang sitzt. Zweiter Gang sitzt. Ich bin dran! Die Menge tobt. Das Gefühl ist unbeschreiblich. Du bist in einem Tunnel. Du siehst nur noch die Strecke vor dir.

Dann will ich in den dritten Gang schalten. Ich ziehe den Hebel. Ich lasse ihn kommen. Und dann… Nichts. Ich greife ins Leere. Der Motor heult auf, die Drehzahl schießt in den Begrenzer, aber der Vortrieb ist weg. „Scheiße. Ich habe nicht mehr schalten können. Null Gegendruck.“.

Die Kupplung war verglüht. Die Hitze war zu viel. Die Federn waren weich geworden wie Butter in der Sonne. Kein Kraftschluss mehr. Ich musste vorsichtig Gas wegnehmen, versuchen, irgendwie noch ein bisschen Grip auf die Scheiben zu kriegen. Ich bin mit 90 km/h ins Ziel getuckert. 90 km/h. Das fährt eine gut abgestimmte Kreidler RS zum Frühstück. Für einen Weltrekord-Versuch war das eine Katastrophe.

Die Analyse (Aufgeben ist keine Option)

Wir haben verloren. Ja. Der 100 PS Gegner ist an mir vorbeigezogen, als würde ich parken. Die Enttäuschung in dem Moment? Riesig. Wir haben Wochen und Monate Arbeit, Geld und Nerven in dieses Projekt gesteckt. Rene hat geschraubt bis die Finger blutig waren. Ich habe Nächte durchgemacht. Und dann scheitert es an einer überhitzten Kupplung.

Aber wisst ihr was? Als ich da stand, im Ziel, den Helm abgenommen habe und den verbrannten Geruch in der Nase hatte, da war nicht nur Enttäuschung. Da war Wut. Gute Wut. „Ich gebe nicht auf. Ich schwöre, so wahr ich hier stehe, ich schlage den nächstes Jahr!“.

Das ist der Geist der Moped-Garage. Wenn Frankys Sachs-Motor kaputt ist, reparieren wir ihn. Wenn die Zündapp nicht läuft, suchen wir den Fehler. Und wenn der Dragrider in Hockenheim versagt, dann bauen wir ihn neu. Besser. Stärker.

Was wir gelernt haben (Lessons Learned):

1. Hitze-Management: Wir brauchen eine bessere Kühlung oder eine robustere Kupplung für diese extremen Temperaturen. Vielleicht eine Trockenkupplung? Oder stärkere Federn aus der Raumfahrt? Wir werden sehen.

2. Logistik: Die „Heilige Flasche“ bekommt ab sofort einen GPS-Tracker. Und Werkzeug wird vor dem Rennen getestet, nicht im Fahrerlager.

3. Das Team: Egal was passiert, Rene und Steffen und die ganze Crew stehen zusammen. Wir gewinnen zusammen, und wir verlieren zusammen (und trinken danach trotzdem ein Bier).

Fazit: Warum tun wir uns das an?

Viele fragen mich: „Norbert, du bist über 50. Warum setzt du dich auf so ein Höllengerät? Warum der Stress?“ Die Antwort ist einfach: Freiheit. Wenn du auf so einem Ding sitzt, auch wenn es nur 25 km/h fährt (oder eben 180 fahren soll), dann bist du wieder 15. Du spürst das Leben. Du spürst die Vibrationen. Ich genieße das. In dem Moment, wo die Dinger anfangen zu knattern, ist der Stress weg.

Das Dragrider-Projekt ist noch nicht vorbei. Das war erst der erste Akt. Wir kommen wieder nach Hockenheim. Wir werden neue Teile schmieden, wir werden neue Mischungen brauen, und wir werden diesen verdammten Rekord knacken. Das ist mir egal wie. Ich schlag den!.

Bleibt dran, Leute. Verfolgt den Blog, abonniert den Kanal. Ihr wollt nicht verpassen, was wir als Nächstes aus dem Hut zaubern. Vielleicht bauen wir ja einen Beiwagen an den Dragrider? (Nein, Spaß… oder?).

Bis dahin: Schraubt an euren Kisten, haltet die Zweitakter am Leben und lasst euch nicht von kleinen Rückschlägen (oder verglühten Kupplungen) unterkriegen.

STAY TUNED!

Euer Mr. Moped

Anhang: Technische Daten des „Dragrider V1“ (Stand: Hockenheim)

BauteilHerkunft / TypBesonderheit
RahmenHercules MX1Vom Schrott gerettet, verstärkt
GabelZündapp CS 25Angepasst für High-Speed
MotorKreidler Florett Basis80ccm+ Umbau, massiv portiert
VergaserFlachschieber (Groß!)Abgestimmt auf Nitro-Mix
Kraftstoff„Heilige Flasche“Methanol/Nitromethan/Öl-Mix
LeistungZiel: 18 PSRealität: Kupplungstod
V-MaxZiel: 131+ km/hGemessen: 90 km/h (im 2. Gang)

P.S.: Falls jemand eine Startmaschine zu verkaufen hat, die auch wirklich auf einen Mofa-Reifen passt… meldet euch. Dringend.

Der „Spezialist“ aus Bayern: Ein Horrorfilm mit Sachs 505 Motor (Oder: Warum billig immer zweimal kauft)

Bezieht sich auf Video: Mofa des GRAUENS ein Horrorfilm mit Sachs 505 Motor / Mr. Moped

Servus Leute!

Willkommen zurück in den Heiligen Hallen. Macht euch ein Bier auf, setzt euch hin und haltet euch fest. Heute müssen wir Tacheles reden. Und wenn ich sage Tacheles, dann meine ich: Ich habe Puls. Ich kriege Plaque.

Normalerweise geht es hier um die Leidenschaft für Zweitakter, um den Geruch von 1:50 und um das Retten von Kulturgut. Aber heute geht es um ein Thema, das mir wirklich an die Nieren geht: Pfusch. Und zwar nicht der „Ich-hab-mal-was-probiert“-Pfusch eines 15-Jährigen in der Garage, sondern der gefährliche, arrogante Pfusch von selbsternannten „Spezialisten“, die euch das Geld aus der Tasche ziehen und lebensgefährlichen Schrott zurückschicken.

Die Geschichte, die ich euch heute erzähle, ist die von Franky. Und sie ist leider kein Einzelfall. Sie ist ein Mahnmal für jeden, der glaubt, man könne einen Motor „mal eben billig ohne Rechnung“ machen lassen.

Die emotionale Vorgeschichte: Ein Traum wird zum Albtraum

Franky ist einer von uns. Ein feiner Kerl, der eine schwere Zeit hinter sich hatte. Er war krank, und seine Frau wollte ihm eine Riesenfreude machen. Sie wollte ihm ein Stück Jugend zurückgeben, ein Stück Freiheit. Also hat sie ihm sein Traum-Mofa besorgt: Eine wunderschöne Hercules mit dem legendären Sachs 505 Motor.

Optisch? Ein Leckerbissen. Da standen zwei Profis am Werk, die das Ding poliert und lackiert haben. Aber Technik? Da hieß es gleich: „Davon lassen wir die Finger, da muss ein Fachmann ran.“ Das Mofa lief nicht. Also hat man im Internet gesucht und einen „Spezialisten aus Bayern“ gefunden. Jemanden, der von sich behauptet, er sei der Papst der Sachs-Motoren. Der Guru der 50er Jahre Technik.

Franky schickt den Motor hin. Er bezahlt gutes Geld. Er freut sich. Der Motor kommt zurück. „Frisch revidiert“, heißt es. Franky baut ihn ein. Er will losfahren. Die erste Tour, der Wind im Gesicht… Pustekuchen! Das Ding zieht keine Wurst vom Teller. Seine Kumpels müssen ihn mit ihren eigenen Mofas den Berg hochschieben. Das Kettenrad springt runter. Nichts funktioniert.

Verzweifelt schickt Franky den Motor nochmal zu dem Spezialisten. Antwort: „Ja, da war der falsche Kolben drin, ich hab das jetzt gerichtet. Und das Pleuel hatte zwei Zehntel Spiel, das ist jetzt auch weg.“ Wieder bezahlt Franky. Wieder kommt der Motor zurück. Wieder läuft nichts. Und dann stand Franky bei uns in der Werkstatt.

Die Autopsie: Wenn Mechaniker weinen

Als Franky mir die Geschichte erzählt hat, hatte ich schon so ein Ziehen im Nacken. Wir haben das Moped auf die Bühne gestellt. Und was wir dann gefunden haben, spottet jeder Beschreibung. Das war keine Revision. Das war Körperverletzung an der Technik.

Wir gehen das jetzt Schritt für Schritt durch. Damit ihr lernt, worauf ihr achten müsst – und warum ein „Spezialist ohne Handwerksrolle“ oft einfach nur ein Pfuscher ist.

1. Der Trockenlauf (Mord am Getriebe)

Als Franky das Moped zum ersten Mal fahren wollte, fiel ihm auf, dass das Ritzel Probleme machte. Er macht den Deckel auf, um nachzusehen. Und was findet er? Nichts. Der Motor war furztrocken. Kein einziger Tropfen Getriebeöl. Leute, jetzt mal ganz ehrlich: Wenn ich einen Motor revidiere und an einen Kunden rausgebe, dann ist da Öl drin. Oder – wenn es wegen dem Versand nicht geht – dann klebt da ein riesiger, neonfarbener Zettel drauf: „ACHTUNG! ÖL EINFÜLLEN!“. Einen Motor „revidiert“ ohne Öl und ohne Hinweis zu verschicken, ist grob fahrlässig. Das ist der sichere Tod für Kupplung und Getriebe nach den ersten 5 Kilometern.

2. Das „Pleuel des Todes“

Der Spezialist behauptete am Telefon, er hätte „zwei Zehntel Spiel“ am Pleuel gehabt und das korrigiert. Ich habe den Zylinder gezogen. Ich habe am Polrad gedreht. Und ich habe ein Geräusch gehört, das mir durch Mark und Bein ging. Klack. Klack. Klack. Ich nehme das Pleuel in die Hand. Ich wackle dran. Leute, das waren keine zwei Zehntel. Das war ein ganzer Millimeter Höhenspiel. Wisst ihr, was das bedeutet? Das Pleuel schlägt bei jeder Umdrehung wie ein kleiner Hammer auf den Hubzapfen. Bei 6000 Umdrehungen pro Minute sind das 100 Hammerschläge pro Sekunde! Das ist eine Zeitbombe. Wenn das Pleuel abreißt, durchschlägt es das Gehäuse, blockiert das Hinterrad und du liegst auf der Nase. So etwas als „repariert“ zurückzuschicken, ist kriminell. Da gibt es keine andere Bezeichnung für.

3. Die Dichtmasse-Orgie

Wir haben den Motor aufgemacht. Und es sah aus, als hätte jemand versucht, ein Fenster abzudichten. Überall quollen dicke Würste von roter Dichtmasse heraus. Viel hilft viel? Nein! Im Motorenbau arbeiten wir mit präzisen Dichtflächen. Eine Papierdichtung, hauchdünn Dichtmasse, fertig. Wenn ihr da Tubenweise Zeug reindrückt, drückt es sich nicht nur nach außen (sieht scheiße aus), sondern auch nach innen. Und drinnen verstopft es Ölkanäle oder landet im Lager. Das ist Pfusch am Bau, erste Klasse.

4. Die Sache mit dem Kolben

Der „Spezialist“ gab zu, beim ersten Mal einen falschen Kolben verbaut zu haben. Angeblich hätte der zwei Ringe gehabt und nicht gepasst. Moment mal. Ich bin „Spezialist“. Ich habe den Motor vor mir. Ich sehe die Toleranzen. Und ich baue aus Versehen den falschen Kolben ein? Das ist so, als würde ein Schuhverkäufer euch Größe 45 verkaufen, obwohl ihr 38 habt, und sagen: „Ups, hab ich nicht gesehen.“ Das zeigt einfach: Hier wurde nicht gemessen. Hier wurde irgendwas aus der Grabbelkiste reingestopft, was gerade rumlag. Hauptsache, die Kasse stimmt.

5. Der Zylinder-Mord (Schleifpapier-Tuning)

Aber die Krönung – die absolute Kirsche auf dem Sahnehäubchen des Wahnsinns – war der Zylinder. Der Zylinder hatte Riefen. Tiefe Riefen. Wahrscheinlich von einem früheren Fresser oder Dreck. Was macht ein Profi? Er misst den Zylinder, bohrt ihn auf das nächste Übermaß und hont ihn professionell. Was hat unser „Spezialist“ gemacht? Er hat offensichtlich Schleifpapier genommen und im Zylinder rumgerieben. Das Ergebnis: Der Zylinder war nicht mehr rund, sondern oval wie ein Ei. Die Kompression war weg. Der neue Kolben (diesmal vielleicht sogar der richtige Typ) kippelte darin herum wie ein Lämmerschwanz. Das ist kein Handwerk. Das ist Zerstörung.

Warum passiert sowas? (Das Problem mit der „Rechnung“)

Jetzt fragt ihr euch: Wie kann das sein? Warum geht Franky nicht zum Anwalt? Ganz einfach: Es gab keine Rechnung. Der „Spezialist“ arbeitet „privat“. Ohne Steuer. Ohne Gewerbe. Ohne Handwerksrolle. Er hat Franky einen „guten Preis“ gemacht. Aber wie heißt unser Motto? „Wer billig kauft, kauft zweimal.“

In Deutschland gibt es die Handwerksordnung nicht umsonst. Wer an sicherheitsrelevanten Teilen wie Motoren, Bremsen oder Fahrwerk gewerblich schraubt, muss nachweisen, dass er es kann. Er muss in der Handwerksrolle eingetragen sein. Wir bei der Moped-Garage sind eingetragen. Rene, unser Werkstattleiter, ist gelernter Zweiradmechaniker mit Brief und Siegel. Wenn wir Mist bauen (was wir nicht hoffen), dann haften wir dafür. Ihr habt eine Rechnung. Ihr habt Gewährleistung.

Wenn ihr euren Motor zu „Hansi Hinterhof“ schickt, der das „schwarz“ macht, habt ihr gar nichts. Außer einem kaputten Motor und einem leeren Geldbeutel. Und Franky hatte noch Glück. Wäre ihm bei 40 km/h das Pleuel abgerissen und das Hinterrad blockiert, hätten wir hier über ganz andere Dinge gesprochen als über Geld.

Die Rettung: So wird es richtig gemacht

Natürlich haben wir Franky nicht im Regen stehen lassen. Wir haben ein Herz für Mofas und für Menschen, die so über den Tisch gezogen wurden. Wir haben den „revidierten“ Motor komplett zerlegt. Alles raus.

Neue Kurbelwelle: Die alte war Schrott.

Neue Lager: Markenware (SKF/FAG), C3 Lagerluft beachten!

Neue Simmerringe: Viton, doppellippig.

Neuer Zylinder & Kolben: Der alte war durch die Schleifpapier-Aktion nicht mehr zu retten.

Ausmessen: Axialspiel der Wellen korrekt ausgeglichen (nicht einfach zuschrauben!).

Zündung: Eingestellt mit der Messuhr, nicht nach „Gefühl“.

Und siehe da: Drei Kicks, und der Sachs 505 schnurrt wie ein Kätzchen. Sauberes Standgas, kein Rasseln, kein Klappern. Franky ist vom Hof gefahren und hatte endlich das Grinsen im Gesicht, das er eigentlich schon vor Monaten haben sollte.

Mr. Mopeds Fazit

Leute, lasst euch nicht blenden. Im Internet tummeln sich viele Schaumschläger. Nur weil einer eine Webseite hat oder auf eBay Kleinanzeigen „Motorrevision für 150 Euro“ anbietet, heißt das nicht, dass er weiß, was ein Drehmomentschlüssel ist.

1. Verlangt eine Rechnung. Immer. Das ist eure Lebensversicherung.

2. Fragt nach der Qualifikation. Ist das ein Betrieb? Ist er in der Handwerksrolle?

3. Hört auf euer Bauchgefühl. Wenn der Preis zu gut ist, um wahr zu sein, ist er es meistens auch nicht.

Wir haben Frankys Motor gerettet. Aber das Lehrgeld, das er gezahlt hat, war hoch. Spart euch das. Investiert lieber einmal richtig in Qualität, in Teile, die passen, und in Arbeit, die hält. Euer Moped (und eure Knochen) werden es euch danken.

Wir sehen uns auf der Straße – hoffentlich ohne Klappern im Motor!

STAY TUNED!

Euer Mr. Moped

P.S.: Falls der „Spezialist aus Bayern“ das hier liest: Such dir ein anderes Hobby. Vielleicht Töpfern. Da kann wenigstens kein Pleuel abreißen.